Von Problemen, Arschengeln und Lösungen

In den letzten Wochen und Monaten sind viele Veränderungen eingetreten. Die Welt hat sich gefühlt entschleunigt. Freunde und Bekannte haben mir berichtet, ihnen ginge es schon seit Langem nicht mehr so gut, wären so entspannt wie lange nicht mehr. Man hätte Zeit, Angefangenes fertigzustellen, Neues auszuprobieren, einfach mal nichts zu tun oder in sich zu gehen und nachzudenken. Ein paar Freunde haben erzählt, dass sie in der Homeoffice-Zeit während Corona erkannt haben, dass sie in ihrem Job nicht glücklich sind. Die Aufgaben seien nicht interessant, die Vorgesetzten reiben sie auf, unter den Kollegen gibt es mehr Streit und Neid statt Harmonie… Die Gründe sind vielfältig. Im Folgenden erzähle ich euch, was ich aus diesen Gesprächen für mich mitgenommen habe.

Wir arbeiten durchschnittlich 40 Jahre unseres Lebens – die einen etwas mehr, die anderen etwas weniger – und verdienen dabei laut Statistik etwa 2,5 Mio. Euro. Wir scheinen irgendwann nicht mehr zu hinterfragen, warum wir tun, was wir tun, und einigen kommt es so vor, als bekämen sie in monatlichen Raten Schmerzensgeld ausbezahlt. Denkt man mal darüber nach, würde bestimmt niemand einwilligen, sich ein (Arbeits-)Leben lang dafür bezahlen zu lassen, Dinge zu tun, die er eigentlich gar nicht will.

Seit Corona sollte uns klar geworden sein, was die zwei wichtigsten Dinge im Leben sind. An erster Stelle: unsere Gesundheit. Ein indisches Sprichwort besagt „Der Gesunde hat viele Wünsche, der Kranke nur einen“. Das zweitwichtigste ist unsere Zeit. In Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt die Lebenserwartung ca. bei 83,9 Jahren, wobei Frauen ca. 4,7 Jahre länger leben als Männer. Die Frage ist doch: Was fangen wir mit unserer zur Verfügung stehenden Zeit an?

 

“Um wirklich erfolgreich zu sein, muss man nicht gegen die anderen, sondern gegen sich selbst antreten.” – Carl Lewis

Im Prinzip sind es drei Fragen, die man sich mindestens einmal gestellt haben sollte:

Erste Frage: Was mache ich gerne?
Das haben wir früher, als wir klein waren, alle intuitiv gewusst. Je älter wir werden, desto mehr tendieren wir dazu, diese Dinge zu “vergessen”. Wir haben gelernt, uns anzupassen, nicht aufzufallen, einer gesellschaftlichen Norm zu entsprechen. Leider können dabei auch Talente und Fähigkeiten unentdeckt versiegen, die einen Menschen einzigartig und besonders machen. Das kann zum Beispiel sein kreativ zu sein, Dinge verschönern, mit Menschen kommunizieren, Menschen helfen, etwas organisieren. Was in Deinem Beruf tust Du wirklich gerne? Natürlich macht in einem Beruf nie immer alles Spaß, aber wieviel Prozent von dem, was Du tust, tust Du auch wirklich gerne?

Zweite Frage: Was kann ich gut?
Bitte nicht verwechseln mit Frage eins. Viele meinen, dass das, was sie gerne machen, sie auch gut können. Das ist oft der Fall, muss aber nicht sein. Ich zum Beispiel singe gerne, aber nicht gut… Andersherum geht das natürlich auch: Man kann gut in etwas sein, es aber nicht gerne machen. Vielleicht hilft es, an dieser Stelle Eltern, Geschwister oder auch gute Freunde zu fragen, wenn man selbst nicht weiterkommt.

Dritte und wahrscheinlich die wichtigste Frage: Was will ich?
Wenn man Leute fragt, was sie privat oder beruflich vom Leben wollen, können nur wenige diese Frage beantworten. Dagegen können sie Tausende Dinge aufzählen, die sie nicht wollen. Was willst Du wirklich? Dabei können die Antworten ganz unterschiedlich ausfallen. Für den einen bedeutet Erfolg, eine teure Uhr zu tragen oder ein luxuriöses Auto zu fahren, der andere möchte mittags nach Hause gehen und mit der Familie Mittagessen oder im Büro duschen können.

 

Wenn man sich diese drei Fragen als drei sich überschneidende Kreise vorstellt, dann ergibt sich daraus eine Schnittmenge. Den Inhalt dieser Schnittmenge gilt es herauszufinden. Über dieses Thema haben sich schon viele Leute Gedanken gemacht, deswegen gibt es dafür auch viele unterschiedliche Bezeichnungen: innere Ausrichtung, personal value proposition, core value, Wertezentrale, the overarching purpose… Wenn jemand herausfindet, dass er gerne Menschen hilft, dann wäre zum Beispiel Nachhilfelehrer oder auch der Arztberuf naheliegend.

Wenn wir das einmal herausgefunden haben, dann geht es los – meist mit Problemen. Dann kommen ganz viele „Gründe“ oder auch Glaubenssätze, die man uns früher eingeredet hat, warum wir etwas doch nicht können. Bei Problemen ist es oft der erste Schritt zu reflektieren, was das Problem mit uns selbst zu tun hat. Wichtig ist zu erkennen, dass wir nicht auf Dinge oder Situationen an sich reagieren. Wir reagieren auf die Bedeutung, die wir einer Sache zusprechen. Haben wir ein Problem mit jemandem, so spiegelt das vielmehr unser eigenes Problem wider als das der anderen Person. Ein liebevoll gemeinter Ausdruck dafür ist zum Beispiel „Arschengel“. Jeder von uns hat ganz sicher seinen ein oder anderen ganz persönlichen Arschengel. Personen, von denen wir meinen, dass diese gemein, ungerecht, einfach arschig zu uns sind, uns aber durch unsere eigene Reaktion lediglich den Spiegel vorhalten, weil uns an uns selber etwas stört. Wir mögen diese Leute nicht, aber sie helfen uns, unsere eigenen Schwachpunkte aufzudecken.

 

Wie lösen wir das Problem? Im Prinzip gibt es vier Möglichkeiten, damit umzugehen:

Variante 1) Wir akzeptieren es!
Wir sagen „ja!“ zur Situation, wir nehmen sie an und haben dadurch kein Problem mehr. Problem gelöst. So einfach ist es leider nicht immer.

Variante 2) Wir akzeptieren es nicht, leben aber damit.
Diese Variante ist nicht unbedingt zu empfehlen, da sehr viel Energie aufgewendet werden muss, sich tagtäglich mit etwas zu beschäftigen, mit dem man nicht einverstanden ist. Das kann nur eine kurzfristige Lösung sein, ohne selber dabei Schaden zu nehmen, krank zu werden oder in Richtung Burnout abzurutschen.

Variante 3) Wir müssen eine Lösung finden.
Das klappt nicht immer auf das erste Mal und manchmal ist es ein langwieriger Prozess, damit alle beteiligten Parteien die Lösung akzeptieren können. Wenn das auch nicht funktioniert, wenn wir bereits des Öfteren versucht haben, eine Lösung zu finden, gibt es immer noch…

Variante 4) „Adios Amigos!“
Das sollte allerdings die letzte wahrzunehmende Variante sein, wenn alle anderen Versuche gescheitert sind. Eine Kündigung/Trennung ist eine finale Angelegenheit und kann wohl nur in den seltensten Fällen rückabgewickelt werden.

 

Ein paar Beispiele:

  • Dich stört im Unternehmen, dass keine Pausenräume vorhanden sind? – Dann hast Du vier Möglichkeiten, um darauf zu reagieren.
  • Dich stört, dass der Chef keine gute Führungskraft ist? – Dann hast Du vier Möglichkeiten.
  • Dich stört, dass Dein Partner nachts schnarcht? – Vier Möglichkeiten…

 

Das Prinzip kann man auf die meisten Probleme anwenden, beruflich wie auch privat. Entscheidend ist dabei das eigene Mindset, die innere Einstellung zum Problem. Wenn man ein Problem überhaupt nicht lösen möchte, sondern lieber seine Energie investieren (oder verschwenden) möchte, zu schimpfen, sich aufzuregen, zu prokrastinieren, um dem eigentlichen Problem aus dem Weg zu gehen, helfen die vier aufgezeigten Varianten natürlich nicht weiter.

Meine Freunde haben ihre Probleme inzwischen alle erfolgreich gelöst – zum einen akzeptiert, dass man nun einen längeren Arbeitsweg hat, zum anderen mittels Kommunikation eine Lösung mit den Kollegen gefunden und als drittes sich entschlossen, die Situation nicht zu akzeptieren und nach gescheiterten Lösungsversuchen die Kündigung einzureichen.

Tut, was ihr wollt, aber seid glücklich dabei! Das Leben ist zu kurz, um es nicht zu genießen!

Amazon ist nicht alternativlos

In den letzten Wochen scheint die Bestellung von Waren bei Amazon für viele im Grunde alternativlos. Nicht wegen der Tatsache, dass ein Verlassen der Wohnung aus bekannten Gründen nicht erlaubt oder gewünscht war, sondern weil Amazon für viele einfach Standard ist. Das uns E-Commerce oder auch der Laden um die Ecke soviel mehr Alternativen bietet als alles bei Amazon zu bestellen, kommt einigen schon garnicht mehr in den Sinn.

Hinzu kommt, dass der geschäftstüchtige Jeff Bezos seit Jahren auch noch überaus erfolgreicher Anbieter von Cloud-Infrastruktur ist. Amazon ist gut, ehrlich gesagt sogar sehr gut. Ihre Innovationen haben nicht nur den IT-Markt revolutioniert und sie schein in irgendeiner Form unausweichlich. Aber können wir das Verhalten von Amazon und seinem CEO mit unseren Vorstellungen in Einklang bringen?

In unserer globalisierten Welt ist es nahezu unmöglich sämtliche Produktions- und Lieferketten für Waren nachzuvollziehen. Natürlich ist es leicht vorstellbar, unter welchen Bedingungen eine Hose für 10 Euro produziert wurde, aber als Konsument kann ich die Recherche vermutlich nicht für jedes Produkt leisten. Hier verlassen wir uns (oft zu unrecht) auf staatliche Kontrollen, Qualitätssiegel und ähnliches und versuchen uns im Idealfall bestmöglich zu verhalten. Zumindest wäre das wünschenswert.

Bei Amazon wissen wir von bescheidenen Arbeitsbedingungen, Kündigung von Kritikern und professioneller Steuerflucht.

Daher die ehrlich gemeinte Frage, ob wir dem Mann weiter Milliarden in den Hintern schieben wollen?

Jeff Bezos hat so unfassbar viel Geld, dass die Vorstellung davon nahezu unmöglich ist. Wer es trotzdem versuchen möchte, sei diese Website wärmstens empfohlen. Ich kann sehr gut damit leben, das andere Menschen erfolgreich sind und dann, meist auch verdient, mehr Geld besitzen. Gerne auch sehr viel mehr Geld. Das wir globale Steuerflucht eines Unternehmens, welches immense Gewinne auf dem Rücken ihrer Mitarbeiter erwirtschaftet, unterstützen ist für mich aber schwer hinzunehmen.

Das zunehmend auch aktiv Steuergelder (Bund, Länder oder die Bahn) in den Hals von AWS und somit von Herrn Bezos geworfen werden, geht mir aber absolut nicht ein. Warum nehmen wir das als Gesellschaft, aber ganz speziell auch als Branche hin?

Wir bescheissen uns doch selbst!

COVID 19 und die über uns hereingebrochene Rezession ermöglichen es, das soziale Gewissen unser Gesellschaft in nie da gewesener Zeitrafferaufnahme zu begutachten. Ein kurzer Abriss:

  • Mir doch egal, bleibt vermutlich in China, oder?!
  • Die Italiener hat es schon übel erwischt 🙁
  • Warum machen die sich bei uns so verrückt?
  • Warum verbieten die bei uns nicht viel mehr?
  • Warum haben die schon nicht im Januar Masken gekauft?
  • Warum lockern die so langsam, ist doch alles überstanden?!
  • ICH WILL NACH MALLE!

Einer muss es aber auf jeden Fall immer richten, der Staat. Der muss uns durch diese Pandemie fahren, Kredite auflegen, Kurzarbeitergeld aufstocken, und gefälligst Masken vor die Haustür liefern. Ist uns im Kollektiv eigentlich noch ein Minimalverständnis dafür geblieben, wo die Kohle herkommt? Irgendjemand muss doch Münzen in den Kreislauf einschmeissen. Wenn wir also Unternehmen unterstützen, die wissentlich und zugegeben auch aufgrund europäischer Unfähigkeit, diesen Kreislauf umgehen, machen wir uns auch schuldig daran, wenn nicht genügend Geld für diejenigen da ist, die es so dringend brauchen.

Klar ist Amazon einer von vielen und leider lässt kaum ein großes Unternehmen die Gelegenheit aus, seine Steuerlast zu reduzieren. Sei es nun Starbucks, Vorwerk, Adidas oder IKEA. Keiner ist jedoch auch in der Digitalbranche so stark verankert wie Amazon.

Wie konnte das passieren?

Aus irgendeinem Grund regt es mich bei Amazon viel mehr auf, als bei allen anderen und ich frage mich seit vielen Wochen warum das so ist. Ich komme zu dem Schluss, dass wir als NETWAYS und auch ich persönlich Amazon zu dem gemacht haben, was es ist. Zu einem Monopolisten, der ganze Marktsegmente kontrolliert und dafür auch noch gefeiert wird. Amazon war über viele Jahre Standard bei mir und die App auf der ersten Seite von Telefon oder Tablet. Eigentlich ist es mir fast unangenehm, wie lange ich deren Verhalten toleriert haben und es keine Konsequenzen nach sich gezogen hat. Damit ist Schluss und ich habe es mir schon seit längerem zur Aufgabe gemacht auch andere davon zu überzeugen. Heute bist DU dran.

Natürlich ist das schwierig und bei der kritischen Auseinandersetzung mit Amazon gibt es eigentlich immer eine oder mehrere von drei Antworten:

  • “Ich würde ja woanders kaufen, aber der Service ist echt gut”
  • “Ich denke es ist Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, dass die Steuern zahlen und ihre Mitarbeiter vernünftig behandeln”
  • “Mit AWS sind wir schneller”

Ich würde ja woanders kaufen, aber der Service ist echt gut
Brauchen wir wirkliche alles Prime und am nächsten Tag? Wie viel Alternativen habt ihr schon ausprobiert? Ich bestelle seit einigen Monaten nichts mehr bei Amazon und hab bisher durchwegs gute Erfahrungen gemacht. Gerade in den letzten Wochen wurden vielen Dinge bei anderen Händlern schneller geliefert als bei Amazon. Hinzu kommt, dass Amazon meist nicht über das günstigste Angebot verfügt. Ich nutze zunehmend die Idealo-App um Anbieter zu finden. Ich hab mich ehrlich gesagt nicht damit auseinandergesetzt, wem Idealo gehört oder wer damit Geld verdient (sollte ich vielleicht), aber zumindest bekomme ich so eine Vielzahl an kleinen Händlern und somit auch Steuerzahlen vorgeschlagen.

Ich denke es ist Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, dass die Steuern zahlen und ihre Mitarbeiter vernünftig behandeln
Stimmt, da ist schon was dran. Auch wenn ich verstehe wie schwierig politische Kompromissarbeit sein kann, ist es mir selbst ein Rätsel das der Staat und auch Europa solch ein massives Umgehen der Systeme zulässt. Deswegen ist das Unvermögen auf der einen Seite noch lange kein Freispruch für das eigene Handeln.

Ein Gedankenexperiment:

Du hättest zwei Restaurants in deiner Strasse. Das Essen ist ähnlich, aber Du weisst das ein Besitzer es mit den Hygienevorschriften nicht so genau nimmt. Vermutlich würdest Du bei dem anderen kaufen, oder?

Jetzt wäre der Gedanke “Das kann man doch nicht vergleichen, ich will ja nicht krank werden”, erlaubt? Ich denke jedoch auch das es unserer Verantwortung ist dafür zu sorgen, dass unser Staat nicht krank wird. Weder durch Rassisten und Extremisten auf der einen, aber auch Unternehmen, welche Steuerflucht perfektioniert haben, auf der anderen Seite.

Mit AWS sind wir schneller
Es wäre töricht zu bestreiten, das AWS einen guten Job macht. Gerade im Bereich Serverless ist AWS Branchenprimus und wer globale Verfügbarkeit usw. braucht bekommt dort einen guten Dienstleister. Aber ganz ganz viele von Euch brauchen das nicht und nutzen es auch nicht und machen mit traditionellem VM-Geschäft dort  Umsatz. Da wäre es doch schön mal bei einem anderen einzukaufen. Wir nehmen Euer Geld gerne für unsere Dienstleistungen, aber ich freue mich auch wenn es ein anderer Marktbegleiter bekommt, der nach den Regeln spielt.

Um provokant zu sein: Wie können wir Staatshilfen beantragen, wenn wir alle realen und digitalen Waren bei Firmen beziehen, die jedes solidarische System über- bzw. umgehen?

Es ist in unserer Verantwortung Hygieneartikel bei Müller, Rossmann und Co. zu beziehen und das Hosting bei einem regionalen oder europäischen Anbieter zu machen. Ja ich weiss, Amazon ist unfassbar gut und an Service im Retail und Featureset im Cloud-Bereich kaum zu überbieten. Trotzdem muss doch die Frage erlaubt sein, ob das als Grundsatzargument ausreicht um alles was wir wissen bei Seite zu schieben und dort einzukaufen. Zumindest die Frage zu stellen ist doch Teil unserer sozialen Verantwortung.

Wisst ihr, es geht hier nicht um Service, Kundenfreundlichkeit oder gute Produkte. Vielmehr geht es um die Frage, ob wir als Gesellschaft eine solch moderne Sklaverei zulassen, die täglich unsere sozialen Systeme torpediert. Gerade jetzt wo wir als Gesellschaft diese so sehr brauchen.

Bernd Erk
Bernd Erk
CEO

Bernd ist Geschäftsführer der NETWAYS Gruppe und verantwortet die Strategie und das Tagesgeschäft. Bei NETWAYS kümmert er sich eigentlich um alles, was andere nicht machen wollen oder können (meistens eher wollen). Darüber hinaus startete er früher das wöchentliche Lexware-Backup, welches er nun endlich automatisiert hat. So investiert er seine ganze Energie in den Rest der Truppe und versucht für kollektives Glück zu sorgen. In seiner Freizeit macht er mit sinnlosen Ideen seine Frau verrückt und...

[Eine nicht ganz ernste] Betrachtung von Aggression am Arbeitsplatz

DISCLAIMER: Der Begriff “Kollege” in der männlichen Form wird nur aufgrund besserer Leserlichkeit genutzt und schließt alle Gender ein. Des Weiteren bezieht sich folgender Text in keiner Weise auf reale Personen.

Nachdem es in unseren letzten beiden Blog-Beiträgen ja sehr sachlich und wissenschaftlich zuging, wollen wir heute – vielleicht auch nicht mit all zu großem Ernst – mal wieder in eine andere Richtung über den Tellerrand blicken. Meine Inspiration für diesen Beitrag kam zum Teil von den ganzen lustigen GIFs, die zu diesem Thema im Netz kursieren — Hand aufs Herz: Wer hat noch nie über Mitarbeiter gelacht, die mithilfe der Tastatur einfach mal den gesamten Schreibtisch leerfegen? — und zum anderen von einer ZDF-Dokumentation “Klaus Kinski – Weltstar und Tyrann” (aka Max Giermann).

Quelle: https://oppositelock.kinja.com/office-rage-gif-compilation-1789090300, embedded via giphy.com

Wenn man dann in der Firma mal die Kollegen fragt, was denn die Auslöser sind, die einen in Sekundenschnelle aggressiv machen können, dann hat das gerade am Arbeitsplatz meistens mit der verfügbaren – oder eben nicht verfügbaren – Hardware und Software zu tun. Als Antwort habe ich unter anderem Aussagen bekommen wie “Bei dem Printer könnte ich jedesmal so ragen!” (Übersetzung der Autorin: “Bei dem Drucker könnte ich sehr oft die Contenance verlieren!”) oder auch “I hau glei alles zam!” (Übersetzung der Autorin: “Ich werde zeitnah hier alles durch Einwirkung von Schlägen zerstören!”). Auch “Anzünden” wird gerne als Problemlösung gesehen. Resignation wird dann eher durch “Einmal mit Profis” ausgedrückt.

 

Auslöser

Lasst uns doch einfach mal ein paar Situationen als Beispiele für Auslöser festhalten (für den Selbsttest einfach Liste ausdrucken und zutreffende Punkte abhaken):

  • Drucker druckt nicht. Selbst nach dem Abbrechen und Neu-Drucken der Dokumente passiert nichts. Neu-Starten der Druckerwarteschlange – nichts. Nach dem verzweifelten Aus-/Einschalten des Druckers macht dieser erstmal Reiningung und Justierung, druckt anschließend eine Testseite mit gefühlt 1000dpi und dann noch sämtlich hängengebliebene Seiten der letzten zwei Wochen.
  • Rechner friert ein. Meistens dreht dann gleichzeitig noch der Lüfter hoch und es entwickelt sich eine infernalische Hitze. Wenn man nicht rechtzeitig reagiert, kann man gerade auch bei Notebooks ein wahres Farbenspektakel auf dem Display erleben. Gern gesehen sind gerade im Windows-Bereich auch nichts-sagende Blue-Screens, wobei blau ja eher als Farbe mit beruhigender Wirkung gilt. (Microsoft hat wohl doch Humor)
  • Äußerst aggressionsfördernd ist auch der gutgemeinte Ratschlag “Have you tried turning it off and on again?” oder Dinge wie “Das habe ich schon immer so gemacht…” oder “Hättest vorher halt gefragt…” oder das von österreichischen Kollegen gern verwendete “Jo eh.” (Entspricht in etwa:?‍♀️)
  • Wenn es dann endlich soweit ist, dass man die Wut raus lässt, wird dies meistens durch ein irritiertes “Wos bisd’n heit so aggressiv?” (Übersetzung der Autorin: “Weshalb zürnst du denn heute so?”) und angewiderten Blicken quittiert.
  • Häufig hat Aggression auch ein hohes Ansteckungspotential. Es kann gut und einfach mal passieren, dass man sich von der Aggression eines Kollegen oder einer Kollegin mitreißen lässt. Vor allem wenn es gerade bei einem selbst rückwärts und bergab läuft.
  • Man hat ein Meeting und möchte in dem entsprechenden Raum das Notebook für Präsentationszwecke mit dem dafür vorgesehenen TV-Gerät verbinden. Als erstes poppt AppleTV auf. Nach Umschalten auf HDMI stellt man fest, dass es keinen HDMI auf was auch immer Adapter im Raum gibt. AppleTV fragt nochmal nach, ob man es sich nicht doch anders überlegt hat. Währenddessen hat ein Kollege einen passenden Adapter gefunden, der aber aufgrun mysteriöser Verformung in keine Buchse dieser Welt mehr passt. Schlussendlich sitzen dann 5 Kollgen vor dem 13″ Display des Notebooks.
  • Man möchte kurz etwas am Whiteboard ausarbeiten. Leider hatte vorher jemand mit Edding darauf gemalt. Jo eh.
  • Noch schnell einen Kaffee ziehen, bevor es in die Telko geht? Und dann ist nicht nur der Wassertank leer, sondern auch noch die Milch, dafür aber der Satzbehälter voll? Und dann soll man in den verbleibenden 2 Minuten 35 Sekunden noch die Maschine entkalken, den Wasserfilter wechseln und gleichzeitig noch den WMF-Kundendienst rufen.
  • Klopapier. Der Auslöser schlecht hin. Oft reicht schon der Anblick einer nicht ordnungsgemäß angebrachten Rolle Klopapier für den absoluten, mentalen Meltdown (Deutsche Übersetzung: “Kernschmelze”). [Anmerkung der Autorin: Bei einer Pipi-Pause während des Schreibens dieses Blog-Beitrags genau das erlebt.]
  • Das Wort “NAGIOS”.


 
 

Spezialfall

Eine  eigene Betrachtung bzgl. Auslöser von Aggression haben unter anderem auch Firmenreisen verdient, wie folgender, beispielhafter und auf nicht realen Erlebnissen basierender Ablauf darstellt:

Situation: Abfahrt zu einer Veranstaltung im Ausland um 15:00 Uhr

    • 1 Kollege steht bereits seit 30 Minuten am Abfahrtsort.
    • 1 Kollege holt das Auto. Dabei geht das Rücklicht auf mysteriöse Weise kaputt.
    • 2 Kollegen telefonieren noch mit Kunden.
    • 1 Kollege muss noch den Blog-Post für Freitag in drei Wochen fertig schreiben.
    • 4 Kollegen suchen derweil die Autopapiere vom Poolwagen.
    • 1 Kollege hat die Ausweispapiere zu Hause vergessen.
    • Da alle Kollegen den gleichen Firmen-Koffer benutzen, kommt es zu schwerwiegenden Verwirrungen.
    • Nachdem endlich alle im Auto sitzen, beschließt man, vorsichtshalber nochmal auszusteigen und eine zu rauchen.
    • Endgültige Abfahrt um 17:30 Uhr.
    • Nach Auffahrt auf die Autobahn fällt auf, dass man einen Kollegen vergessen hat. Rückkehr zum Abfahrtsort.
    • Am Abfahrtsort aufgrund des erlebten Stresses noch mal zwei Zigaretten rauchen.
    • 18:30 Uhr: Erneute Abfahrt.
    • 18:40 Uhr Besorgung von Not-Cheeseburgern, da mittlerweile alle hungrig sind.
    • 18:50 Uhr: Erste Rauchpause.

 

Bezüglich der Entstehungsweise von Aggressionen finde ich folgende Theorie gerade für den Bereich Arbeitsplatz sehr passend und nachvollziehbar:

Frustrations-Aggressions-Theorie: Aggression beruht auf aggressiven Impulsen, die nicht spontan, sondern als Reaktion auf störende und unangenehme Ereignisse entstehen. Sind die Frustrationen einmal entstanden, müssen sie sich irgendwie äußern. (Quelle: https://krank.de/aggression/) 

FAZIT

Jeder von uns kann mal einen schlechten Tag haben, gesundheitlich angeschlagen oder anderweitig belastet sein. Niemand ist jeden Tag perfekt, das sollten wir uns immer im Gedächtnis behalten. Auch sollten wir im Auge behalten, dass wir nur gemeinsam stark sind. Schaut aufeinander – ab und zu hilft es, einfach mal zuzuhören oder zu fragen, warum es gerade nicht so läuft wie erwartet. Eine kleine nette Geste kann großes bewirken 😉

Nachdem wir dieses wichtige Thema nun behandelt haben, werden wir uns nächste Woche wieder den seriösen Dingen zuwenden.

Ach, da ja auch allseits bekannt ist, dass viele Menschen aufgrund von Werbung (“Everybody dance now!”) aggressiv werden, wollen wir Euch dieses Erlebnis nicht vorenthalten:

Bei Fragen rund um die Hardware aus unserem Shop helfen wir gerne persönlich weiter – wir sind erreichbar per Mail oder telefonisch unter der 0911 92885-44. Wer uns gerne bei der Arbeit ein bisschen über die Schulter schauen oder den Shop und die angebotenen Produkte verfolgen möchte, kann uns auch auf Twitter folgen – über @NetwaysShop twittert das NETWAYS Shop Team!

Nicole Frosch
Nicole Frosch
Sales Engineer

Ihr Interesse für die IT kam bei Nicole in ihrer Zeit als Übersetzerin mit dem Fachgebiet Technik. Seit 2010 sammelt sie bereits Erfahrungen im Support und der Administration von Storagesystemen beim ZDF in Mainz. Ab September 2016 startete Sie Ihre Ausbildung zur Fachinformatikerin für Systemintegration bei NETWAYS, wo sie vor allem das Arbeiten mit Linux und freier Software reizt. In ihrer Freizeit überschüttet Sie Ihren Hund mit Liebe, kocht viel Gesundes, werkelt im Garten, liest...
NETWAYS Winterworkshop 2020

NETWAYS Winterworkshop 2020

 

Da der Winterworkshop mittlerweile schon voll ins Jahresprogramm bei NETWAYS integriert ist, ging es somit auch 2020 wieder in die Berge. Um 13 Uhr stand der Bus bereit, um mit einem Haufen an Essen, Getränken und 45 gespannten Kollegen und Kolleginnen beladen zu werden. Ein paar Stunden und viele Raucherpausen später sind wir in dem leider wenig verschneiten Haidmühle angekommen. Nachdem die Besitzerin der Hütte mit den ersten einen Rundgang gemacht hatte, haben alle stürmisch ihr Zimmer bezogen. Als dann jeder sich eingerichtet hatte, haben wir sogleich mit vereinten Kärften begonnen, das traditionell gute Essen für die Belegschaft zu kochen. Auf dem Menü standen an diesem Abend Schnitzel mit Pommes, Halloumi für die Vegetarier, Preiselbeeren, Salat und als Dessert Crêpes, was auf große Begeisterung stieß. Gut gestärkt konnten wir nun in den Abend starten.

 

 

Das Landhaus Frauenberg bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich die Zeit auf äußerst angenehme Weise zu vertreiben. Wir konnten Billard, Tischtennis und Kicker spielen. Außerdem bestand die Möglichkeit, die zwei Saunen und den Whirlpool zu benutzen, was auch selbstverständlich ausgiebig getan wurde. Natürlich haben wir auch wieder viel getanzt und gefeiert. Pünktlich um 0:00 Uhr haben wir auf das Geburtstagskind Artur angestoßen und dann ging die Party so richtig los.

 

Irgendwann gingen alle – früher oder später oder gar nicht – ins Bett, um fit für den nächsten Tag zu sein.

 

Der nächste Tag startete für die einen mit Ski bzw. Snowboard in das Skigebiet Hochficht, während die anderen etwas später zu der Weltkulturerbe Stadt Cesky Krumlov aufbrachen. Eine kleine Gruppe fleißiger Kollegen blieb in der Unterkunft, um die über hundert Rouladen (!) und das Apple Crumble, für das Abendessen vorzubereiten.

 

Nachdem wir uns alle ausgetobt hatten, fuhren wir zurück zur Hütte, wo wir nach einer wiederbelebenden Dusche gemütlich beisammensaßen und sehnsüchtig auf das Essen warteten. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an die Kollegen und Kolleginnen, die das ganze Team mit richtig gutem Essen versorgt haben! Es war wirklich mega lecker! Satt und glücklich starteten wir gemütlich ruhig in den Abend, der aber nicht so ruhig bleiben sollte. Nach vielen Getränken, Schlagerhits, Gesprächen und guter Laune fehlte nur noch eins… die NETWAYS- Polonaise natürlich! Und schon stürmte wie gewohnt, mitten in der Nacht, die Polonaise durch die Zimmer der Unterkunft, was bei den Schlafenenden auf helle Begeisterung stieß.

 

Am nächsten Morgen ließen wir uns ein letztes Mal das gute Essen schmecken, bevor wir uns wieder auf den Weg nach Hause machten. Nachdem die letzten Schlagerhits gesungen und das letzte Getränk getrunken war, kamen wir in Nürnberg an, müde und zufrieden. Vom Wochenende bleiben viele lustige Bilder, schöne Erinnerungen und natürlich die Vorfreude auf das nächste Mal!

Andreas Wienkop
Andreas Wienkop
Office Manager

Andreas ist seit 2015 bei NETWAYS. Im November 2018 hat er seine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann erfolgreich abgeschlossen und ist nun im Bereich Finance & Administration tätig. In seiner Freizeit widmet er sich dem Reisen und dem Boxen.
Sollte man beim Weihnachtsfest über Politik sprechen?

Sollte man beim Weihnachtsfest über Politik sprechen?

TLTR – Ja absolut, wann denn sonst?!

Zugegeben hoffe ich sehr, dass ihr euch trotz Weihnachtsvorbereitungen und dem damit verbundenen Stress etwas mehr Zeit zum Lesen nehmt, denn die gegebene Antwort ist natürlich durchaus streitbar. Darüber hinaus ist mir auch völlig bewusst, dass wir in erster Linie ein Technologieunternehmen sind und der Leser nicht wegen unserer bzw. meiner politischen Meinung hier ist. Aber wir haben ein Medium, mit dem wir Kunden, Lieferanten und all diejenigen erreichen können, mit denen wir zusammenarbeiten. Nicht weniger wichtig aber auch ein Medium, mit dem wir uns noch unbekannte Menschen erreichen können und daher hat es für mich durchaus auch einen Platz hier verdient.

Politik und Unternehmen

Was mich derzeit besorgt, ist der zunehmende Trend, Politik und politische Ansichten aus Unternehmen verbannen zu wollen. Gerade in den USA bekamen in den letzten Monaten viele Technologieunternehmen die Macht der Community zu spüren, welche sich sehr deutlich gegen eine staatliche Zusammenarbeit mit der “Immigration and Customs Enforcement” (kurz ICE) aussprach. Diese Bundesbehörde zeichnet u.a. für die teils menschenunwürdige Trennung von Kindern und deren Eltern verantwortlich und ist gerade deshalb im Fokus der Öffentlichkeit. Der öffentliche Druck hatte nicht zuletzt die weitere Zusammenarbeit zwischen ICE und Chef beendet und das Unternehmen zum Einlenken gezwungen.

Drang zur Neutralität

Auch wenn ich keinen direkten Zusammenhang herstellen kann, hat GitLab nur drei Tage darauf seine öffentlichen Richtlinien zur “Customer Acceptance” geändert und aufgrund heftiger Reaktionen einige Tage später wieder entschärft. Dabei ist es mit Sicherheit nicht das einzige Technologieunternehmen und auch GitHub und Google ringen mit der eigenen Position, aber aufgrund der offenen Meinungsfindung ist die Diskussion bei GitLab sehr transparent und dient daher als Beispiel. Im Ergebnis führt es dazu, dass Unternehmen möglichst wenig Positionierung ihrer Mitarbeiter wünschen und dies in internen Regelungen so deutlich formulieren, dass es teils schon staatliche Behörden auf den Plan gerufen hat, die diese Unternehmen an das Recht zur freien Meinungsäußerung erinnert haben. Vor nun fast zwei Jahren habe ich mein damaliges Verständnis von politischer Meinung und Verantwortung der Unternehmen hier Blog zusammengefasst. Die Zustimmungswerte der AfD fand ich schon damals sehr besorgniserregend und muss heute leider sagen, dass es nicht “besser” geworden ist. Jetzt mag nicht jeder gleich die Brücke zum amerikanischen Wertesystem schließen, aber ich habe den Eindruck, dass wir uns als Gesellschaft auf selbiges zubewegen. Auch in unserer Politik geht es immer weniger um wirkliche Sachfragen, sondern um politische Polarisierung und Instrumentalisierung.

Unsere Verantwortung

In einer Zeit des politischen Umbruchs liegt es umso mehr an jedem einzelnen von uns, für seine Überzeugungen einzutreten und diese auch kundzutun. Da gehört es selbstverständlich auch dazu, dass wir nicht immer der gleichen Meinung sind. Das Vertreten einer Meinung, deren Akzeptanz, aber auch der Widerspruch gehören zu unserer Gesellschaft, zu unserem Wertesystem und auch zu unserem Unternehmen. Wenn sich Unternehmen mehr und mehr deshalb von politischer Meinung distanzieren, da sie befürchten, Kunden zu verlieren, ist das aus meiner Sicht fatal. Vielleicht nicht sofort für das Unternehmen, aber mittel- und langfristig für unsere Gesellschaft.

Was hat das jetzt mit dem Weihnachtsfest zu tun?

Am vergangenen Freitag hatten wir unser NETWAYS Weihnachtsfest und meine Lieben haben das Buch “Selbstbetrachtungen” von Mark Aurel geschenkt bekommen. Der römische Kaiser und Philosoph prägte u.a. auch nachfolgendes Zitat:

“Oft tut auch der Unrecht, der nichts tut. Wer das Unrecht nicht verbietet, wenn er kann, der befiehlt es.”

Viele von uns haben doch diesen Opa, Onkel, Schwager oder ähnlichen Verwandten, der irgendwann im Laufe des Abends mit einer oft anstößigen, verzerrten und manchmal auch beleidigenden Aussage glänzt. Ob nun gegen Ausländer, die Greta, Dieselfahrverbot oder Windräder. Eigentlich ist es vollkommen egal, aber ein anderer Teil am Tisch denkt sich sofort:

“Ich sag besser nix, da gibt es nur Streiterei.”

Wenn euch der Gedanke kommt, und dazu möchte ich euch ermutigen, ist es das Richtige das Gegenteil zu tun. Wir brauchen mehr Diskussionen und Meinungsaustausch und vielleicht manchmal auch Streit. Ich will euch ja beim besten Willen nicht das Weihnachtsfest versauen, aber wenn wir es schon daheim nicht machen und dort auch mit unserer Meinung hinterm Zaun halten, wo bitte denn dann?

In diesem Sinne wünsche ich euch auch im Namen aller bei NETWAYS ein schönes Weihnachtsfest. Wenn ihr kein Weihnachten feiert, wünsche ich Euch ein paar Tage Ruhe und das bessere Gefühl, danach nicht vollgefressen auf der Couch zu liegen.

Den Menschen, für die Weihnachten eine schwere Zeit ist, wünsche ich Kraft und auch den Mut, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Alles Gute für euch!

Bernd Erk
Bernd Erk
CEO

Bernd ist Geschäftsführer der NETWAYS Gruppe und verantwortet die Strategie und das Tagesgeschäft. Bei NETWAYS kümmert er sich eigentlich um alles, was andere nicht machen wollen oder können (meistens eher wollen). Darüber hinaus startete er früher das wöchentliche Lexware-Backup, welches er nun endlich automatisiert hat. So investiert er seine ganze Energie in den Rest der Truppe und versucht für kollektives Glück zu sorgen. In seiner Freizeit macht er mit sinnlosen Ideen seine Frau verrückt und...

Je suis #nginx! | Я/Мы #nginx!

Der Autor mit einem russischen Plakat: “Je suis Nginx”

Stellt Dir vor, Du hast um 2004 herum als Programmierer für ein Unternehmen gearbeitet. Nach und nach hast Du Dir eine Nebentätigkeit aufgebaut, die Du schließlich hauptberuflich als Unternehmer betreibst. Und jetzt kommt aus heiterem Himmel Dein ehemaliger Arbeitgeber und fordert nichts geringeres, als ihm Dein schönes neues Unternehmen zu überlassen.

Ich weiß, das klingt unvorstellbar – zumindest für ein Land wie Deutschland. Aber genau das ist dem Nginx-Gründer Igor Sysoev so passiert.

Ich selbst weiß noch genau wie mein Ausbilder mir den Übernahmevertrag erläutert hat. Beim Punkt, dass ich dem Betrieb automatisch die Rechte am von mir geschriebenen Code übergebe, wurde ich hellhörig. Ich fragte nach, ob dass denn nur für den auf der Arbeit geschriebenen Code gelte und wo das im Vertrag stehe. Darauf antwortete der Ausbilder, dass es nirgendwo explizit stehen müsste, da es sich aus dem Kontext ergebe.

Zahlen, Daten, Fakten

Igor Sysoev war seit Ende 2000 Chef-Admin der russischen Suchmaschine Rambler. Nebenbei entwickelte er 2004 die Webserver-Software Nginx. 2011 gründete er Nginx Inc. als kommerziellen Verwerter der Software.

Rambler ist gegen diese Tätigkeit nie vorgegangen… bis vor Kurzem, als die Strafverfolger vor Nginx’ Tür standen. Diese nahmen Sysoev vorübergehend fest und werfen ihm als ehemaligen Rambler-Mitarbeiter Urheberrechtsverletzung gegenüber dem Arbeitgeber vor. Und als ob das nicht schon genug wäre: Die Beschuldigungen fußen wohl auf einem Gesetz aus 2006 – sprich, zwei Jahre nach der “Tat”.

Und jetzt?

Gerüchten zufolge hat der russische Geheimdienst FSB es auf den Löwenanteil des russischen Internets abgesehen – dieser läuft auf Nginx. Wenn das stimmt, haben die ihre Rechnung ohne Nginx Inc. gemacht. Diese speichert nämlich Ihren Code im Ausland – und hat jetzt zusätzliche Sicherheits-Maßnahmen ergriffen. Außerdem installieren nicht alle Nutzer Nginx from-Source – viele bedienen sich der Paket-Quellen des Betriebssystems. Deren Maintainer werden jetzt noch ein bisschen genauer hinschauen. Die Docker-Images fußen zwar auf einem GitHub-Repository der Organisation NGINX, Inc., aber alle Mitglieder geben (Stand 16.12.19) einen ausländischen Wohnort an.

Ich selbst habe privat nach Kenntnis der Meldung zwei neue Nginx-Instanzen in Betrieb genommen und kann angesichts meiner Erkenntnisse aus dem letzten Absatz allen Sysadmins Entwarnung geben – und ein Lob zugunsten von Nginx Inc. aussprechen.

Fazit

Dieser Fall zeigt, wie wichtig Open Source und freie Software heutzutage sind. Gerade in Zeiten politischer Unsicherheit ist allen Beteiligten Transparenz wichtiger denn je. Gerade deshalb liegt uns Open Source so am Herzen. Das heißt aber nicht, dass wir ITler uns erdreisten sollten, jetzt die Füße hochzulegen. Im Gegenteil:

Der Autor auf Twitter: “Je suis #Nginx!”

Quellen

Alexander Klimov
Alexander Klimov
Senior Developer

Alexander hat 2017 seine Ausbildung zum Developer bei NETWAYS erfolgreich abgeschlossen. Als leidenschaftlicher Programmierer und begeisterter Anhänger der Idee freier Software, hat er sich dabei innerhalb kürzester Zeit in die Herzen seiner Kollegen im Development geschlichen. Wäre nicht ausgerechnet Gandhi sein Vorbild, würde er von dort aus daran arbeiten, seinen geheimen Plan, erst die Abteilung und dann die Weltherrschaft an sich zu reißen, zu realisieren - tut er aber nicht. Stattdessen beschreitet er mit der...