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Unsere bunte Regenbogenfamilie

by | Jun 22, 2021 | NETWAYS, Soziales

Einer unserer Werte bei NETWAYS ist Diversität. Bei uns sind alle willkommen: Egal, ob hetero, bi, homo oder asexuell, ob Frau, Mann oder was ganz anderes, ob cis oder trans, ob eine Partnerperson, keine oder eine ganze Schar, oder irgendwie ganz anders ver-queert. Egal, welche Nationalität oder Herkunft – was zählt, bist Du als Mensch und wir respektieren Dich und sind stolz, Dich bei uns zu haben!

Seit über einem Jahr gibt es bei NETWAYS auch die Gruppe Queerways, die dem Austausch rund um LGBTQIA+ dient. Anlässlich des queeren Monats Juni haben wir eine kleine Serie entwickelt, mit der wir Euch queere Themen näherbringen wollen.

In der Reihe zum queeren Monat möchte ich heute etwas von meiner Lebenswirklichkeit als eine Mutter in einer Zwei-Mütter-Familie berichten. Queere Familien sind Familien, die sich dadurch kennzeichnen, dass sich ein oder mehrere Elternteile als queer, also zum Beispiel lesbisch, schwul, pan, trans* oder non binär definieren. Diese Familien bezeichnen sich oft auch als Regenbogenfamilien, was an unser Symbol, die Regenbogenflagge angelehnt ist. Auch wenn es sehr viele Konstellationen gibt (trans* -Eltern, schwule Väter, lesbische Mütter, Mehr-Eltern-Familien) und viele Wege zum Kind führen (Samenspende, Leihmutterschaft, Pflege- oder Adoptivkinder), besteht der größte Anteil der Regenbogenfamilien aus zwei lesbischen Müttern als Eltern.

Meine Frau Susanne und ich sind mittlerweile seit bald 11 Jahren verheiratet und beinah 14 Jahren zusammen. Seit 2014 haben wir mit diversen Unterbrechungen versucht ein Kind zu bekommen. Die Hürden waren zu dem Zeitpunkt noch etwas höher als teilweise heutzutage. Wir haben lange überlegt, wie wir zum Kind kommen könnten. Eigentlich war nur klar, dass ich gerne schwanger werden wollte. Nach vielen Gesprächen mit Wunsch-Vätern, die leider immer wieder an verschiedenen Stellen gescheitert sind (zu große Entfernung zwischen den potenziellen Eltern, unterschiedliche Vorstellungen etc.), haben wir uns für eine anonyme Samenspende entschieden. Hier hat unser Kind die Möglichkeit mit 18 die Identität des Erzeugers mitgeteilt zu bekommen, was wir unterstützen würden. Nach einigen Versuchen und Pausen, hat es dann geklappt. Fun Fact: Ich habe damals auf dem Weg zum Sommerseminar auf Mallorca den Anruf von der Praxis erhalten, dass ich schwanger bin ;-).

An Pfingsten 2018 habe ich nach einer sehr anstrengenden Schwangerschaft, aber dafür einer relativ angenehmen Geburt unseren Sohn Theodor auf die Welt gebracht. Unsere Familie war nun perfekt. Na ja, nicht ganz. Rechtlich ist es in Deutschland nämlich so, dass TROTZ “Ehe für Alle” eine sogenannte Stiefkindadoption notwendig ist. In heterosexuellen Ehen ist der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der gebärenden Mutter verheiratet ist, automatisch als Vater gilt. Sind Eltern nicht verheiratet, kann die Vaterschaft relativ unkompliziert anerkannt werden. Dieses Gesetz wurde zum Schutz der ungeborenen Kinder gefasst und es ist auch richtig.

ABER: Unser Kind, das von uns beiden geplant und gewünscht war, Theodor würde es ohne Susanne nicht geben, erhält diesen Schutz nicht. Das bedeutet, bis die Adoption durch Susanne ca. 1 Jahr nach Theodors Geburt rechtskräftig war, hatte unser Kind nur ein rechtliches Elternteil, nämlich mich. Wäre mir irgendetwas in der Zwischenzeit zugestoßen, hätte Susanne keinerlei Rechte gehabt. Das Kind wäre im schlimmsten Fall zu meiner Ursprungsfamilie gekommen. Eine von Theodors Müttern wäre wie eine Fremde behandelt worden. Von den ganzen Schikanen, die so eine Stiefkindadoption mit sich bringt, wie Hausbesuche durchs Jugendamt, Fragebögen, in denen Susannes komplette Persönlichkeit, Geschichte und auch finanzielle Hintergründe abgefragt wurden, ganz zu schweigen. Hier muss sich dringend etwas ändern! Warum ich das so ausführlich berichte: Es ist wichtig, dass auch nicht betroffene Menschen, diese Ungerechtigkeit kennen. Awareness ist in diesem Zusammenhang das Zauberwort. Jede Familienkonstellation ist valide, weil letzten Endes die Liebe zum Kind entscheidend ist. Dies sollte sich auch rechtlich auswirken!

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