Alex Osborn, ein Werbefachmann aus den USA veröffentlichte in den 50er Jahren folgende Idee: Brainstorming in der Gruppe führt zu geistigen Höchstleistungen. Osborn nahm an, dass Menschen in einer Gruppe mehr, und vor allem bessere Ideen hervorbringen. Dafür legte er bestimmte Regeln fest. Eine davon: Übe keine Kritik [1].
Diese Praktik der Ideenfindung wurde mittlerweile in einigen Studien überprüft, mit einem Interessanten Ergebnis: Keine der Studien konnte einen positiven Beleg dafür erbringen. Eher das Gegenteil war der Fall. In einer Gruppe von 2 Personen herrscht ungefähr Gleichstand zwischen Einzel- und Gruppenarbeit. Je größer die Gruppe ausfällt, umso verheerender fällt der Unterschied aus. Osborn ging damals von einer idealen Gruppengröße von 12 Personen aus. Das Ergebnis für ein Brainstorming dürfte katastrophal ausfallen.
Das eigentliche Problem: Die Gruppenmitglieder stehen sich selbst im Weg. Ideen entwickeln und gleichzeitig Zuhören ist eine Doppelaufgabe, die das Gehirn schwer bewerkstelligen kann. Dies konnte mit verschiedenen Experimenten nachgewiesen werden [2].
In einem Experiment wurden die Teilnehmer zur Ideenfindung aufgerufen:

  • Teil 1: Jeder durfte nur sprechen, wenn kein anderer sprach
  • Teil 2: Jeder durfte einfach drauf lossprechen

Die Gespräche wurden durch ein Mikrophon aufgezeichnet. Das Ergebnis: Im zweiten Teil war die Produktivität genau so hoch wie bei der Einzelarbeit, während der 1. Teil in der Produktivität deutlich schlechter abschnitt.
Im Alltag und in der Wirtschaft hält sich allerdings hartnäckig die Illusion, dass klassisches Brainstorming die beste Methode sei, um Ideen zu entwickeln. Schuld daran ist vermutlich der individuelle Vergleich: Natürlich produziert eine Gruppe mit 5 Teilnehmern mehr als ein einzelnes Individuum (subjektiv gesehen). Aber: Produziert eine Gruppe mit 5 Personen wirklich mehr Ideen als 5 Individuen in Einzelarbeit?
Abhilfe schaft hier z.B. die verstaubte Metaplan-Methode [3]. Jeder Teilnehmer schreibt seine Ideen auf eine Karte und hängt diese an die Wand. So findet ohne Blockade eine gegenseitige Befruchtung statt. Anschließend können die Ideen gemeinsam besprochen und geordnet werden.

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Brainstorming
[2] Prof. Dr. Michael Diehl, Universität Mannheim
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Pinwandmoderation

Marius Hein
Marius Hein
Head of Development

Marius Hein ist schon seit 2003 bei NETWAYS. Er hat hier seine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert, dann als Application Developer gearbeitet und ist nun Leiter der Softwareentwicklung. Ausserdem ist er Mitglied im Icinga Team und verantwortet dort das Icinga Web.