Wir warten auf das Christkind

Nachdem im letzten Jahr bei der Weihnachtsfeier das ganze Team gemeinschaftlich in die Hohe Kunst des Kochens (mit richtigen, echten Lebensmitteln, die nicht aus irgendeiner Tüte kamen) eingeführt wurde, dachten wir uns, dass diese wertvolle Lernerfahrung erst mal für die nächsten Dekaden ausreichen sollte. Als Pädagogin mit Spezialgebiet „Neurobiologische Grundlagen des Lernens“ weiß ich eben, dass so große Lernerfahrungen sich im Hirn auch erst mal setzen müssen um überhaupt adäquat verarbeitet, gespeichert, vernetzt und irgendwann mal wieder abgerufen werden zu können.
Deswegen wurde in diesem Jahr nicht gekocht (jedenfalls nicht von uns), sondern gleich gegessen. Einen geschmacklichen Vergleich zum Vorjahrsessen kann ich ja leider nicht ziehen (da habe ich mich noch außerhalb von NETWAYS mit Gehirnen beschäftigt) aber ich denke der Herbstwurzelsalat mit Parmesan, die Gänsebrust und das Bratapfel-Zimt-Mousse könnten durchaus Einzug in meinen Speiseplan erhalten.
Ein solches Menü könnte vielleicht auch ein wenig dazu beitragen den Schmerz über den Verlust von Philipp zu lindern. Seine Rückkehr nach Köln hat in unser aller Herzen ein derart großes Loch hinterlassen, dass der Kölner Dom mindestens drei Mal darin Platz hätte und man von den Rändern noch die Artothek und das Käthe Kollwitz Museum schubsen könnte. Um den Abschied etwas leichter zu machen hatte er uns vor dem kulinarischen Teil des Abends noch homöopathischen Dosen einer typisch rheinländischen Hefespezialität verabreicht.
Fast mit der gleichen Hingabe, mit der bereits gegen Mittag Weihnachtsbäume geschmückt und fachfrauisch verkabelt wurden, wurde dann (allerdings erst sehr viel später) Glühwein und Gebäck konsumiert, bis es dann ins Restaurant „Gelbes Haus“ ging um diese grandiose Bratapfel-Zimt-Mousse zu vertilgen.
Nun haben ja Essen im Allgemeinen und Süßspeisen im Besonderen schon bei so manchem geholfen zumindest vorübergehend das tiefe Tal der Trauer zu verlassen und für einen kurzen Moment on the sunny side oft he road zu lustwandeln. Was uns jedoch wirklich helfen würde unseren schmerzlichen Verlust zu verknusen wäre, wenn sich bald wieder ein bis zwölf neue Mitarbeiter zu uns gesellen würden – wir sind auch ganz lieb und geben etwas von unseren Lebkuchen ab.