Trotz der gelungenen Abendveranstaltung fanden sich die Teilnehmer der Open Source Backup Conference in Köln früh am Morgen wieder ein, um an den Vorträgen teilzuhaben.
Nachdem am Vortag jeder die Gelegenheit hatte, sich durch den Bareos Introduction Workshop über Bareos informieren zu lassen oder (entsprechendes Vorwissen vorausgesetzt) im Hacking Bareos Workshop tiefer in die Marterie einzutauchen, startete Philipp Storz von der Bareos GmbH & Co KG die Vorträge mit einem Überblick über Bareos mit Details zur gerade eben veröffentlichten Version 14.2.1 Beta und deren neuen Features. Die reichen von so kleinen aber wichtigen Änderungen wie der Möglichkeit, Warnungen über das Tray Icon auf Windows Hosts anzuzeigen, über eine Reihe neuer unterstützter Betriebssystemversionen bis zu der Enthüllung, dass nun alle Bareos daemons auch auf Windows ausgeführt werden können. Des weiteren werden jetzt auch diverse Cloudstorages als Ziel für Backups unterstützt. Für bestehende und angehende User enthielt der Vortrag auch Informationen über den Einfluss von blocksize und filesize auf die Schreibgeschwindkeit beim Sichern auf Bänder.


Nach der obligatorischen Fragerunde wurde das Mikrofon an Dave Simons übergeben, der eine Einführung in Puppet gab und dabei besonders auf die Konfiguration von Bacula und Bareos Backup Clients einging. So können exported resources genutzt werden, um Informationen der zu sichernden Systeme in die zentrale Backup Konfiguration zu übernehmen. Die Slides zum Vortrag gibt es schon vorab auf Slideshare, mehr zu Puppet u.a. bei uns.
Nachdem sich Redner und Hörer in der Kaffeepause stärken konnten, gab es einen Doppelvortrag von Jan Behrend und Dr. Stefan Vollmar von zwei Max Planck Instituten über die Herausforderungen für ein Backup im wissenschaftlichen Umfeld. Als Herausforderungen wurden hier besonders die grossen Datenmengen, der besondere Wert der Daten und die durchaus ausgefallenen Anforderungen der User herausgehoben. Die grossen Datenmengen zwingen bei solchen Installationen dazu, mit virtual full backups zu arbeiten, einer Technologie, die aus einem full backup und den Sicherungen, die seit seiner Erstellung ein full backup zusammensetzen, das dem aktuellen Stand entspricht, aber völlig ohne Kontakt mit dem zu sichernden Client auskommt. Ausserdem wurde ein Weg vorgestellt, wie Hochverfügbarkeitscluster konsistent gesichert werden können. Dabei werden für 2 Knoten 3 Clients in Bareos angelegt, je einer pro Knoten und einer für den hochverfügbaren Teil, der über die virtuelle IP Adresse des Clusters gesichert wird. Wenn die Verwendung eines HFS wie Grau OpenArchive nicht dem entspricht, was sich die User erhoffen, die Datenmengen aber ein HFS verlangen, wurde in diesem Vortrag ein Weg vorgeschlagen, mit dem Backups im HFS abgelegt werden, anstatt alle Daten. Besonders ungewöhnlich war hier die Verwendung eines eigenen Netzwerkes, das nur für die Dauer eines Backups erstellt und nach Abschluss des Backups wieder deaktiviert wird.
Bevor die Mittagspause eingeläutet wurde, stellte Daniel Holtkamp noch seine Erfahrungen mit der Migration von Bacula zu Bareos vor, wobei er besonderen Wert darauf legte, dass die Bacula Backups weiterhin verfügbar sind. Gesondert hervorzuheben ist hier, dass für Wiederherstellung der Bacula Sicherungen kein Bacula mehr benötigt wird, sondern Bareos mit der bisherigen Bacula Konfiguration und Datenbank gestartet wird. Da die Migration auch für eine Bereinigung der Konfiguration benutzt wurde, finden sich in dem Vortrag einige schöne Beispiele, wie man die Bareos Konfiguration übersichtlicher und leichter handhabbar machen kann. Dabei wurde auch viel Gebrauch davon gemacht, dass Bareos statt Pfadangaben oft auch den Output von Scripts, SQL Queries oder Shellcommands verwenden kann, die Bareos selbst bei Bedarf ausführt.
Nach einem hervorragenden Mittagsbuffet gab Martin Loschwitz eine ausführliche Vorstellung von Ceph, das von Haus aus in sich redundant und mit Selbstheilungsfunktionen ausgestattet ist, weshalb in einigen Setups Snapshots als Backup ausreichend sein sollten. Dabei wurden neben weniger bekannten aber sehr vielversprechenden Features wie Qemu-rdp, mit dem KVM virtuelle Festplatten von Guests direkt in Ceph ausbringen kann, auch noch unbekanntere aber deshalb nicht unbedingt weniger vielversprechende Features wie php bindings, mit denen Webapplikationen Daten wie Bilder direkt in Ceph ablegen können, vorgestellt.
Thematisch passend handelte der nächste Vortrag vom Backup in und von einer Cloud, gehalten von Marco van Wieringen. Hier gab es einen Überblick über verschiedene verteilte Dateisysteme wie GlusterFS und eben Ceph. Dabei wurden besonders Unterschiede und die Wege, wie man als Applikation Daten in diese Services schreiben oder deren Inhalt sichern kann, hervorgehoben und jeweils eine kurze Übersicht über den Entwicklungsstand der Anbindung des jeweiligen Service an Bareos gegeben.

Da der nächste Vortrag leider ausfallen musste, sprangen dankenswerterweise Frank Bergkemper und Daniel Neuberger mit einer schnellen Vorschau auf das kommende Bareos Webinterface ein. Selbst Vorschaupakete sind in den contrib Repositories von Bareos verfügbar und müssen nur mehr getestet werden. Feedback sehr willkommen! Das Webinterface ist schon weit gediehen und wird nicht nur alle in der bconsole verfügbaren Daten anzeigen, sondern auch Daten ableiten, wie eine Übersicht, welche Medien in wie vielen Tagen auslaufen werden. Auch Graphen und andere Daten für einfaches Reporting sind verfügbar. Das auf dem Zend Framework basierende Interface soll Administratoren von spezialisierten Clients für einzelne Betriebssysteme loslösen und die Bedienung von Bareos mit jedem Gerät ermöglichen, das einen Webbrowser hat.
Zum Abschluss zeigte Ralf Dannert noch ReaR, mit dem Medien erstellt werden können, um in Kombination mit einem Backuptool wie Bareos, Bacula oder sogar rsnapshot ein bare metal disaster recovery von Linux Servern zu ermöglichen. Dabei müssen die Medien für jeden Host einzeln erstellt werden, müssen aber nicht ein ISO oder USB Stick sein, sondern können auch in eine PXE Boot Infrastruktur eingebunden werden. Für SuSE User ist dabei besonders interessant, dass es einige Erweiterungen gibt, mit denen insbesondere OpenSuSE und SLES Hosts so wieder hergestellt oder vom physischen zum virtuellen System umgebaut werden können.
Damit war es wieder eine abwechslungsreiche und interessante OSBConf, bei der sich wohl jeder, vom alten Hasen bis zum Frischling in Sachen Open Source Backup etwas Neues mitnehmen konnte. Zumindest war die Beteiligung an den Fragerunden geradezu ungewöhnlich groß. Wer sich schon auf die nächste OSBConf einstellen möchte, kann sich schon mal das Datum 29.&30. September 2015 vormerken und eine Suche nach dem Hashtag #OSBConf speichern. Die Mitschnitte und Folien der Vorträge werden online zur Verfügung gestellt, wir werden hier über das Blog Bescheid geben, wann und wo das der Fall sein wird.
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Thomas Widhalm
Thomas Widhalm
Lead Support Engineer

Thomas war Systemadministrator an einer österreichischen Universität und da besonders für Linux und Unix zuständig. Seit 2013 möchte er aber lieber die große weite Welt sehen und hat sich deshalb dem Netways Consulting Team angeschlossen. Er möchte ausserdem möglichst weit verbreiten, wie und wie einfach man persönliche Kommunikation sicher verschlüsseln kann, damit nicht dauernd über fehlenden Datenschutz gejammert, sondern endlich was dagegen unternommen wird. Mittlerweile wird er zum logstash - Guy bei Netways und hält...