Auch wenn mich das als Egoist darstellt, sollte das jeder in Betracht ziehen. Jedenfalls wenn es um potentiell sensible Daten geht.

Ein Beispiel

Jeder der häufig im Internet unterwegs ist, sei es nun privat oder geschäftlich, kennt das. Eine Anmelde-Maske.

Wer auf Sicherheit wert legt, nutzt hoffentlich überall ein anderes Passwort. Selbstverständlich sind die auch in einem Passwort-Manager wie Keepass oder Enpass hinterlegt und mit einem sicheren Master-Passwort gesichert.

Aber mal ganz ehrlich, wer klickt im Browser bei der Frage “Soll dieses Passwort gespeichert werden?” nicht gerne auf Ja? Nun, ich hab es eine Zeit lang vermieden war aber jedes Mal traurig nicht auf Ja geklickt zu haben.

Warum? Weil ich eine üble Angewohnheit, wie viele andere wohl auch, habe.

Bequemlichkeit

Ich nutze ein Passwort niemals ein zweites Mal. Ich habe alle meine Passwörter in Keepass gespeichert. Diese Datenbank ist mit einem relativ komplexen jedoch noch leicht zu merkendem Master-Passwort versehen und mit meinem Yubikey gekoppelt. 2-Faktor Authentifizierung wie aus dem Buche.

Aber ich bin bequemlich. Jedes Mal Keepass aufzumachen und diese Prozedur durchzuführen, für jede Anmelde-Maske die ich im Laufe des Tages benutzen muss? Ein Graus. Selbstverständlich kann ich Keepass im Hintergrund offen lassen, aber das würde dem Gedanken der 2-Faktor Authenfizierung widersprechen. Sicher, Keepass schützt die Passwörter vor unerlaubten Speicherzugriffen und derlei Späßen, jedoch hab ich dennoch kein gutes Gefühl dabei.

Aber warum speichere ich dann nicht einfach die Passwörter mit Hilfe des Browsers? Werden die dort nicht auch sicher gespeichert? Na, selbstverständlich werden sie das. Doch das Problem ist ein ganz anderes.

Das schwache Glied

Die Frage ist nämlich nicht wie die Passwörter vom Browser gespeichert werden, sondern wie erneut auf sie zugegriffen wird.

Ich setze Ubuntu 18 ein. Hier werden derart gespeicherte Passwörter im GnuPG-Schlüsselbund hinterlegt. Dieser wird bei jedem Login auf dem System entsperrt. (Oder beim entsperren des Systems.)

Nun, der aufmerksame Leser wird sich nun denken können weshalb ich das als schwaches Glied in der Kette ansehe. Ich bin bequemlich, welch Überraschung. Wenn ich das System entsperren muss, möchte ich nicht erst ein super sicheres Passwort eintippen müssen. Erst recht nicht während jemand daneben steht/sitzt. Je komplexer das Passwort nämlich, desto langsamer tippe ich es. Je langsamer ich tippe, desto eher steigt die Gefahr mir schaut jemand dabei zu. (Kollegen vertraue ich selbstverständlich, aber man weiß ja nie wo man sonst ist.) Deshalb: Es ist ein einfaches Passwort das super schnell getippt ist.

Falls aber doch jemand, oder etwas, Kenntnis von diesem Passwort erlangt war alles für die Katz. Sofort sind alle Passwörter aus dem GnuPG-Schlüsselbund gefährdet. Da hilft nur eines.

Die Lücke schließen

Zum Glück hat meine Bequemlichkeit doch ihre Grenzen. Denn ich fahre mein DELL XPS 13 grundsätzlich immer herunter wenn ich es länger aus den Augen lasse.

Somit ist diese Lücke auf einen Schlag verschlossen sobald der gesamte Festplatten-Inhalt verschlüsselt ist. Und das ist er inzwischen. LUKS sei dank.

Auch hier kommt es auf die Qualität der gewählten Passwörter an, schließlich muss vor dem Start des Systems erst einmal alles entschlüsselt werden können. Aber Achtung: Ein zu schwaches Passwort ist erneut das schwache Glied.

Hier habe ich einen Kompromiss mit meiner Bequemlichkeit geschlossen. Ich habe zwei Möglichkeiten meine Festplatte zu entschlüsseln. Zum einen ein super sicheres Passwort (das nicht im Wörterbuch zu finden ist), zum anderen aber auch ein leicht zu merkendes. (Das aber auch nicht im Wörterbuch zu finden ist, jedenfalls nicht 1:1) Der Clou jedoch ist, das zweite (einfache) Passwort ist mit dem Yubikey gekoppelt.

Ein Hoch auf die 2-Faktor Authentifizerung

Man merkt es vielleicht. Ich bin ein Fan meines Yubikeys. Besser gesagt, meiner zwei Yubikeys. (Es könnte ja einer abhanden kommen) Auf die technischen Details gehe ich jetzt nicht mehr ein, das macht zum Teil bereits Marius. Doch kurz auflisten wofür ich ihn noch einsetze möchte ich:

  • GPG (Private subkeys auf dem Yubikey)
  • SSH (Dank GPG, Gunnar hatte hierzu bereits etwas geschrieben)
  • Github (FIDO U2F)

Außerdem ist mein zweiter (privater) Yubikey NFC fähig, ich kann ihn also super easy mit der Keepass App auf dem Smartphone nutzen.

Was mein ist, bleibt mein!

Johannes Meyer
Johannes Meyer
Developer

Johannes ist seit 2011 bei uns und hilft bei der Entwicklung zukünftiger Knüller (Icinga2, Icinga Web 2, ...) aus dem Hause NETWAYS.