Windows 8 – große Gesten

Wer in jüngster Zeit unter den üblichen IT-News die ein oder andere Windows 8-Meldung aufgeschnappt hat, dem dürfte eines nicht entgangen sein: Die (im Vorfeld beschworene) Erkenntnis jener Mutigen, die die Developer-Preview von Windows 8 auf ihrem Desktop-Rechner ausprobierten, dass es dort mit der Touch-Oberfläche Metro fehl am Platz ist. Jedenfalls, sofern man nicht zu den (grob geschätzt ;)) fünf Leuten gehört, mit einem Multi-Touch-Monitor auf dem Schreibtisch. Und selbst dann kann ich mir nur wenige Szenarien vorstellen, in denen Maus/Tastatur-Eingaben nicht schneller und bequemer vonstatten gingen.
Etwas mehr Verständnis, bitte!
Diese Tatsache, gestützt von erneuten Phantastereien um die Integration der Kinect-Technologie (d.h. Steuerung per Körperbewegungen, bislang auf der Xbox 360 vermittelst Spezial-Kamera), lässt mich auf die Erfüllung eines von mir lang gehegten Wunsches hoffen: endlich einen Rechner zu haben, der auf meine optischen und akustischen Signale reagiert!
Wenn ich es recht bedenke, gehören diverse Gebärden seit jeher zu meinem Computer-Befehls-Repertoir. Und zwar rein instinktiv. Bislang wurden diese jedoch entweder stur ignoriert (Geste: Faust-gegen-Monitor, Reaktion: insuffizient), fehlinterpretiert (Geste: Tritt-den-Tower, Reaktion: Headcrash) oder von den falschen Sensoren erfasst (Geste: Fuß-durch-die-Wand, Reaktion: Schimpfe von Mutti).
Wink mit dem Zaunpfahl!
Angekündigte Features wie die Anpassung des Farbschemas an den Desktop-Hintergrund sind gerade mal die Spitze des Eisbergs. Dank Benutzer-Erkennung ließe sich das Betriebssystem deutlich besser personalisieren. Per Auswertung der Audio- und Videosignale könnte das System selbst anhand subtiler Anzeichen etwa den Gemütszustand des Nutzers in verschiedenen Abstufungen ermitteln (Stirnklatscher-, Schimpftirade-, Tastatur-im-Anflug-Erkennung …) und darauf reagieren (beruhigende Musik, neue Eingabegeräte ordern).
Ich für meinen Teil würde alles darum geben, etwa per Stinkefinger endlich sämtliche nervige, unnütze und zeitraubende Abfragen, Hinweise und Warnungen auf einmal abstellen zu dürfen.
Ganz schnell aktuell
Stellen Sie sich obendrein vor, ihr Rechner sende automatisch Stimmungs- und Aktivitätsmeldungen an Facebook & Co (‘Bin auf dem Klo – vor 10 Minuten. Stimmung: Konzentriert‘). Video- und Tonmitschnitte inklusive. Sämtliche relevanten Dienste könnten selbständig bei Veränderungen informiert werden, egal ob öffentliche Fotos (‘Neuen Haarschnitt entdeckt – aktualisiere Gravatar …‘), Shopping-Profile (‘Brust-OP detected – Updating Amazon recommendations‘) oder – quasi genau in entgegengesetzte Informationsrichtung – Anpassung an aktuelle gesellschaftliche Ereignisse (‘F1-Weltmeister-Geste: per Zeigefinger gratis eine Dose rosa Österreicherbrause ordern‘).
Entdecke die Unmöglichkeiten
Das sind natürlich alles nur Spielereien zum Wohle Einzelner. Denken Sie nur an ernsthafte, globale Zwecke! Es wäre sogar möglich, bei der Gesichtserkennung aktuelle Fahndungsfotos einzusetzen, um Terroristen, Hacker und Konkurrenten zu identifizieren – oder damit die Pausen der rauchenden Untergeben zu erfassen.
ps: Bei all dem Unsinn wollte ich dann doch nicht noch weiter im Niveau sinken. Die interaktive Routenplanung (Sie wissen schon: Finger in Po – Mexiko. Oder Dresden. Daumen und Zeigefinger an die Brust führen und schreien – Zwickau), kindische Gebärden (Winke-winke – Herunterfahren) … et cetera verkneife ich mir besser.