Eine Ode an Rockbox (wenn nicht freie Software an sich)

Eigentlich war meine erste Intention, den Artikel „Ode an meinen IPod“ zu betiteln. Das wäre aber irreführend. Denn weder zähle ich mich zu den „Apple-ist-toll“-Jüngern. Noch hätte ich mir j e m a l s einen IPod angetan, wäre da nicht Rockbox gewesen.
Rockbox – ein alternatives Betriebssystem für viele gängige MP3-Player, das deren Funktionsumfang erweitert, diverse Hürden abbaut und mannigfaltige Anpassungsmöglichkeiten bietet. Erst dadurch wurde aus meinem kleinen, weißen Apple-Kästchen ein „echter“ Musikplayer, ein (fast) ständiger Begleiter, den ich seit Jahren gerne nutze – kurz, der mir geradezu ans Herz gewachsen ist. Eine Gefühlsregung übrigens, die mir generell bei technischen Geräten übertrieben scheint und andernfalls vollkommen abgeht 😉
Die (Hersteller-)Geisel der Menschheit
Hätte ich das Modell im Originalzustand benutzt, die diversen durch die Hersteller-Firmware aufgebürdeten „Eigenheiten“ hätten es für mich zu einem echten Ärgernis und in vielen Bereichen stark eingeschränkt bis gar nicht brauchbar gemacht. Etwa als mobiler Datenspeicher, trotz der 80 GB Kapazität. Oder zum Musikhören am Arbeitsplatz. Schließlich war für gewöhnlich erst eine Treiber- sowie ITunes-Installation zum Betrieb nötig. Und selbst damit konnte man Musikdateien zwar aufspielen, diese wurden jedoch auf der Platte in kryptische Buchstabenkürzel umbenannt. Was insofern egal war, als dass einem ohnehin der direkte Zugriff auf die Festplatte verwehrt war.
Und selbst nach einigen Firmware-Updates wurden die Abstürze nicht weniger, die Software kaum besser …
Gestaltswandel: Mr. Hide zu Dr. Jekyll
Rockbox dagegen nutzt die vorhandenen Möglichkeiten der Hardware aus. Damit fallen nicht nur oben genannte Hürden weg. Das Modell unterstützt mehr Dateiformate, lässt sich per vollparametrischem Equalizer, Kompressor etc. klanglich beeinflussen, mit Themes optisch und bedientechnisch individualisieren und wartete mit Funktionen auf, die nur bei Konkurrenz-, Nachfolgemodellen oder gar nicht zu finden sind. Spiele etwa, darunter einfache Karten- Denk- und Geschicklichkeitsspiele – und sogar die alte Ballerorgie Doom. Diverse Anwendungen, die das Gerät zum Taschenrechner oder -lampe umfunktionieren, Bilder anzeigen, Text vorlesen. Dank letzterem klappt die Bedienung auch blind (etwa, ohne den Player aus der Tasche nehmen zu müssen).
Nicht, dass man wirklich a l l diese Sachen bräuchte. Aber vieles ist sinnvoll und praktisch. Und man könnte, wenn man denn wollte …
Noch lange kein Alteisen
Und so kommt es, dass heute mein IPod Video zwar technisch rückständig (dick, schwer, ohne hochauflösendes Touch-Display) ist, ich aber nach wie vor damit voll zufrieden bin. Sollte jemals der Akku (der hat natürlich nachgelassen) oder die Festplatte (toi, toi, toi) den Geist aufgeben, so erwäge ich ernsthaft deren Austausch (ob ich da vielleicht ne SSD reinbasteln könnte?). Sorry, Apple. Aber da wird wohl nicht so bald wieder Geld fließen.
Kurz: Rockbox ist für mich ein kongeniales Stück Open-Source-Software, in das viele Leute (Frei-)Zeit und Mühe investiert haben. Dafür hiermit vielen Dank!