High Performance in der Cloud kann teuer werden

Amazon bietet neuerdings in ihrer Cloud auch ein High Performance (HPC) Angebot, den sogenannten “EC2 Cluster Compute”. Es besteht aus hardware-virtualisierten Maschinen mit 2 Nehalem-CPUs und 23 GB Hauptspeicher, vernetzt durch 10 Gbit/s-Ethernet. Um das Angebot zu vermarkten, hat Amazon einen medienwirksamen Testlauf mit 880 Clusternodes durchgeführt, dabei fast 42 TFlop/s ermittelt und hätte damit theoretisch Platz 146 in der aktuellen Liste der Supercomputer erreicht.
Die Kollegen von science + computing haben nun in ihrem HPC Blog nachgerechnet, was das am Ende kostet und wie viel Geld man durch dieses Cloud Angebot einsparen kann. Das Ergebnis: Man spart gar nichts, man zahlt sogar deutlich drauf. Ein Beispielcluster aus 8 Nodes, der zu 70% ausgelastet ist, kostet je nach Abrechnungsmodel bei Amazon zwischen 62.400 USD und 79.000 USD jährlich. Würde man die gleiche Hardware im eigenen RZ aufbauen, kommt man auf jährliche Kosten von etwa 15.500 USD, also kostet die Amazon Lösung ungefähr 46.000 USD mehr als der Eigenbetrieb.
Natürlich ist das nur eine Beispielrechnung, die lediglich auf die Hardware und den Strompreis abstellt. Viele Zusatzkosten wie Storage, Deployment oder zusätzliche Dienstleistungen dürften aber in beiden Szenarien anfallen, so dass man sie letztendlich ausser acht lassen kann. Bei aller Vereinfachung sieht man trotzdem deutlich, dass die Cloud nicht per se günstiger ist und man schon mit sehr spitzem Bleistift nachrechnen muss. Nur bei einer Auslastung unter 20% wird die Amazon Lösung günstiger. Die Cloud rechnet sich also nur, wenn man lediglich hin und wieder mal einen HPC Cluster braucht.

Julian Hein
Julian Hein
Executive Chairman

Julian ist Gründer und Eigentümer der NETWAYS Gruppe und kümmert sich um die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Neben seinem technischen und betriebswirtschaftlichen Background ist Julian häufig auch kreativer Kopf und Namensgeber, beispielsweise auch für Icinga. Darüber hinaus ist er als CPO (Chief Plugin Officer) auch für die konzernweite Pluginstrategie verantwortlich und stösst regelmässig auf technische Herausforderungen, die sonst noch kein Mensch zuvor gesehen hat.