Wer kennt das nicht: Man baut ein wenig an einer HTML Seite/Webanwendung (wohlmöglich einer, die man nicht selbst entwickelt hat) herum und möchte das Styling eines Elementes anpassen. Doch egal was man macht und wie laut man brüllt: Der Browser übernimmt die Änderungen einfach nicht. Grund sind meist irgendwelche zusätzliche CSS Regeln die die eigenen Überscheiben, oder sonstiger CSS Voodoo der (scheinbar) keinen Sinn ergibt.
Oft rutscht man dabei in ein iteratives Try & Error Prinzip:

  1. CSS Anpassen
  2. Seite neu aufrufen
  3. Fluchen
  4. CSS Anpassen

Spätestens ab Punkt 4. sollte man merken, dass hier etwas Ineffizient ist. Tools wie die eingebaute Entwicklerkonsole im Chrome können hier den totalen Nervenzusammenbruch (ungefähr bei der zehnten Iteration) verhindern. Natürlich gibt es ähnliche Features auch für die anderen Browser. Die Chrome Entwicklertools sind meiner Meinung nach nur am umfangreichsten und effizientesten, darum gehe ich hier nicht auf andere Tools ein.
Ruft man die Tools auf (Ctrl-Shift-i,  Cmd-Shift-I (Mac) oder Tools->Developer tools) und geht in den Elements Dialog, begrüßt einen folgendes Fenster (hier habe ich eine Seite des W3C CSS Tutorials aufgerufen) :

Chrome developer tools

Developer tools


Während die linke Seite den aktuell gerenderten DOM Baum anzeigt (also mit dynamisch hinzugefügten/geänderten Elementen) gibt die rechte Spalte Auskunft über das aktuelle ausgewählte Element (CSS Regeln, Maße, Eventlistener, etc).
Das 'Computed style' Feld zeigt alle Regeln, die angewendet werden

Das ‘Computed style’ Feld zeigt alle Regeln, die angewendet werden


Interessant für die CSS-Fehlersuche sind eigentlich nur die ersten drei Sektionen :

  • Computed Style gibt an, welche Regeln für dieses Element letztenendes wirklich angewendet werden, also in das Rendering einfliessen
  • Style gibt an, welche Regeln im ‘style=’ Attribut des Objektes hinterlegt sind
  • Matched CSS Rules zeigt alle CSS-Regeln und deren Quelldateien an, die für den aktuellen Knoten gelten. Dabei ist die Reihenfolge gleich der CSS Hierarchie, d.h.
    weiter oben liegende Regeln unterschreiben die generischen Regeln aus der Ebene darunter (Ausnahme: Regeln mit !important)

Sollte etwas nicht gehen muss der Blick zuerst auf die Computed Style Sektion gehen: Ist meine Regel hier vorhanden?
Wenn ja sollte die Regel überprüft werden: Passt das CSS auf das angegebene Element? Gibt es spezielle Bedingungen für die Regel? Passt der Kontext (z.B. bei Problemen mit float, hier müssen auch andere Knoten berücksichtigt werden).
Wenn die Regel nicht im Computed Style steht, kann man in dem Matched CSS Rules Feld hoffentlich sehen warum das so ist:

Kein tingting.mp3 für mich - nicht unterstützte Regeln zeigt Chrome netterweise an

Kein tingting.mp3 für mich – nicht unterstützte Regeln zeigt Chrome netterweise an

  • Erscheint die Regel nicht ist das CSS schlicht und ergreifend nicht korrekt (ist das CSS geladen? Passt die CSS Query auf den Knoten?)
  • Erscheint die Regel, jedoch durchgestrichen, lohnt sich ein Blick auf das gelbe Ausrufezeichen: Dann ist die Regel entweder invalide (hat z.b. einen Tippfehler) oder wird nicht unterstützt.
  • Ist die Regel vorhanden, aber der Wert im Computed Style ein anderer, sollte man schauen ob die Regel irgendwo überschrieben wird: Gibt es Regeln die über der eigenen liegen? Ist die Regel mit !important definiert?

Zum Experimentieren ausserdem sehr nett: Click man auf eine Regel kann man neue Attribute hinzufügen oder bestehende Attribute verändern. Chrome greift einem mit den Eigenschaften und Werten ein wenig unter die Arme. Kleinere CSS Experimente oder Wertänderungen kann man so direkt im Browser ausprobieren.
Man darf aber nicht vergessen dass einem die Tools nur helfen können Fehler zu finden – ein Blick in die Doku sollte bei Problemen immer als erstes Erfolgen. Wer nicht weiß, was sein CSS bewirkt wird auch mit den besten Tools nicht weit kommen (spätestens wenn ein anderer Browser das Dokument anders rendert).