Das ist nicht so einfach zu beantworten, noch dazu wüsste ich es auch ab und zu selber gerne. Die Herausforderung, sich bei verschiedenen Optionen für DIE richtige zu entscheiden, kennt ja jeder. Dabei ist bei dem Weg zur Entscheidung unerheblich, ob es sich um die Beschaffung eines Servers, eines Autos oder Firmengebäudes handelt. Möglicherweise steigern zwar die mit dem Kauf verbundenen Risiken die Rationalität der Entscheidung, die grundsätzliche Herangehensweise ist jedoch eigentlich identisch.
Die rationale Entscheidung
Sie ist in der Regel eine Kombination aus Vorhersage (hier münden natürlich auch Erfahrungen in das Ergebnis mit ein) und der Bewertung von Kriterien. Kurz gesagt werden die persönlich oder gemeinschaftlich aufgestellten und vergleichbaren Kriterien nebeneinander gestellt und dann über eine Gewichtung “priorisiert”. Dies lässt sich dann in einer Ergebnis- oder Payoff-Matrix darstellen.
Muss man sich also beim Kauf für einen Server entscheiden, könnte die  Matrix in etwa so aussehen:

Kriterium Gewichtung Server A Server B Server C
PREIS 20% 4 0,8 5 1 9 1,8
STROMVERBRAUCH 20% 4 0,8 5 1 9 1,8
DISK-PERFORMANCE 60% 8 4,8 3 1,8 9 5,4
CPU-PERFORMANCE 50% 5 2,5 2 1 4 2
Summe 8,9 4,8 11

Ich würde dann, und bitte nehmt mir die Werte nicht fachlich unter die Lupe, Server C wählen, da mir die Gewichtung und Bewertung der entsprechenden Kriterien einen Kauf von Server C als die richtige Alternative suggerieren. Dass sich mögliche Veränderungen auf meine Kriterien, wie beispielsweise ein Anstieg des Strompreises auf die Gewichtung und in der Folge dann negativ auf meine Entscheidung auswirken können, ist klar.
Vermeintlich richtig
Verfügt man also über ausreichende Erfahrung und möglicherweise realistische Einschätzung der Zukunft sollte der richtigen Wahl im Grunde nichts im Wege stehen, oder?!
Genau das passiert jedoch häufig nicht, da uns unsere tief verwurzelte Faulheit (Abstreiten ist sinnlos) einen Strich durch die Rechnung macht. Auf dem Weg zu richtigsten Entscheidung gibt man sich eben einfach irgendwann zufrieden. So suchen wir dann irgendwann nicht mehr nach der besten Alternative, sondern beenden die Suche, wenn wir die erste zufriedenstellende Lösung gefunden haben. Das könnte am Beispiel des Servers zum Beispiel bedeuten, dass wir uns für den ersten Server mit SSD entscheiden, da uns bei hervorragendem I/O der Stromverbrauch einfach unwichtig erscheint.
Hinzu kommt, dass bereits gemachte Fehler und daraus resultierende Verluste, die korrekte Vorhersage und Bewertung von Prioritäten beeinflussen. Die so genannten “Sunk Costs” verhindern häufig eine rationale Entscheidung, da der Gedanke an “Wir haben schon so viel Geld in die Lösung investiert und jetzt sollen wir sie einfach wegschmeissen” den rationalen Fakt “eine Neuentwicklung wäre besser und günstiger” überdecken.
Ein weitere Beeinflussung bei der Bewertung von vorhandenen Kriterien ist der Framing-Effekt. Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass die Darstellung von Informationen und deren “künstlicher” Rahmen auch die Bewertung und so die Entscheidungsfindung beeinflussen.
Ein bekanntes Beispiel:
75% fettfrei wird von einer größeren Anzahl Personen positiver bewertet als 25% Fett
Auch wenn das rationale Ergebnis identisch ist, wird die getroffene Entscheidung durch die Präsentation der Informationen verändert. Auch der Effekt der Preiswahrnehmung (9,99 € vs. 10,00 €) hat damit zu tun.
Fazit
Wenn man sich ein wenig mit der vermeintlich korrekten und rationalen Entscheidung beschäftigt, wird einem schnell klar, dass der Großteil der Faktoren eben auch von persönlichen Erfahrungen und dem Glauben an kommende Ereignisse, Trends und Vorhersagen gebunden ist. Umso mehr ist man aus meiner Sicht gezwungen, getroffenen Entscheidungen regelmässig zu überdenken und zu ändern. Wenngleich die Korrektur einer getroffenen Entscheidung häufig als negative Handlungsweise wahrgenommen wird, ist es unbedingt notwendig, auf Basis von veränderten Fakten wie bspw. Strompreis, Angebot und Nachfrage, finanzielle Mittel etc. den in der Vergangenheit getroffenen Entschluss zu überdenken!

Bernd Erk
Bernd Erk
CEO

Bernd ist Geschäftsführer der NETWAYS Gruppe und verantwortet die Strategie und das Tagesgeschäft. Bei NETWAYS kümmert er sich eigentlich um alles, was andere nicht machen wollen oder können (meistens eher wollen). Darüber hinaus startet er das wöchentliche Lexware-Backup und investiert seine ganze Energie in den Rest der Truppe und versucht für kollektives Glück zu sorgen. In seiner Freizeit macht er mit sinnlosen Ideen seine Frau verrückt und verbündet sich dafür mit seinem Sohn.