In dem ganzen Cebit-Trubel schiebe ich ganz still und leise ein Thema dazwischen, dass von vielen nur müde beschmunzelt oder gar abgrundtief verachtet wird. Bei Windows teilen sich ohnehin bereits die Meinungen vieler Entwickler, hinzu kommt dass jedes zweite Betriebssystem aus diesem Hause einfach nur floppt. Somit wäre rein statistisch gesehen Windows 8 wieder eine Katastrophe und viele rechnen sogar so fest damit, dass sie lieber gleich von vornherein aufs nächste warten.
Ich habe mich trotz aller Befürchtungen, Klischees und Negativen Meinungen mal herangewagt, denn so schnell wird Windows wohl nicht vom Markt verschwinden und evtl. wird dieses Kachel-Design ja The next Big Thing. Dabei hab ich festgestellt, dass die groß angepriesenen Features völlig nutzlos sind (Kachel-Design, Apps) aber andere kleinere Neuerungen tatsächlich einen größeren Nutzen bringen. Warum ausgerechnet diese Kacheln so sein müssen, wie sie sind und man keinerlei Möglichkeit bekommt, diese auch nur irgendwie zu individualisieren (bis auf zwei vorgegebene Kachelgrößen), ist mir immer noch ein Rätsel (Vielen Dank Frau Larson-Green!). Denn zugegeben, das Startmenü wirkt wie der anmontierte übergroße Heckspoiler an einem Moped. Auch das zweite große Highlight, die Apps, sind eher als Gimmick anzusehen, denn der  Zwang jede App im Vollbild auszuführen nimmt einem jegliche Flexibilität. Kann man Windows 8 jetzt auf diese zwei Dinge festmachen und pauschal sagen “taugt net” oder entlockt es einem vielleicht doch noch ein “bassd scho”, was dem berlinerischem “Det is Knorke!”  entsprechen würde?

Lässt man nun also mal das skurrile Startmenü und die ziemlich unnützen Apps außen vor (und das kann man getrost), so zeigt sich Windows 8 von einer ganz anderen Seite. Auf einmal merkt man dass hinter der Hipster-Fassade doch ein anständiger Kern existiert, mit dem man sogar vernünftig arbeiten kann! Da werden einem die Prozesse bis ins kleinste Details angezeigt, mit farbiger Hervorhebung der besonders rechenintensiven. Alle vitalen Daten des Rechners werden schön mit bunten Graphen und detaillierten Infos bis runter zur einzelnen Cache-Größe aufgedröselt und da jeder schonmal in der msconfig rumgespielt hat um den Autostart zu verwalten, wurde diese Option auch direkt in den Task-Manager gepackt.
Die Suche funktioniert nun sogar noch flotter und lässt sich direkt während der Suche auf bestimmte Apps oder Kategorien beschränken. Somit kann man beispielsweise seine Mails bereits durchsuchen, noch bevor man überhaupt die Mail App gestartet hat, oder man googelt (ja googeln, wer bingt denn schon) sofort im Startmenü drauf los. Möchte man eben schnell die Uhrzeit sehen, hat man früher einfach in alle möglichen Ecken des Bildschirms geschaut, irgendwo stand sie dann schon. Bei Windows 8 muss man leider in der Standardeinstellung erst mit der Maus ins obere Eck und dann ein stück nach unten fahren. Dieses ganze Gestengefuchtel ist aber ohnehin nichts für den findigen Windows-Nutzer (noch so ein unnützes Feature), wir drücken einfach die Windows-Taste + c um schnell die Uhrzeit und das Datum in Übergröße anzuzeigen.
Hat man dieses und noch weitere Shortcuts mal drin, lässt sich Windows 8 sehr komfortabel und schnell bedienen. Hier noch einige meiner Lieblings-Shortcuts:
Windows-Taste + p : Öffnet Einstellungsmöglichkeiten für den zweiten Bildschirm
Windows-Taste + r: startet das Ausführen-Fenster (Execute)
Windows-Taste + d: Wechselt zum Desktop (nochmal drücken um die vorherigen Fenster wieder alle zu öffnen)
Windows-Taste + k: Öffnet das Geräte-Menü zur schnellen Verwaltung
Windows-Taste + i -> Enter: Öffnet die Systemsteuerung
Windows-Taste + x: Startet ein Startmenü mit vielen Systemrelevanten Punkten (Datenträgerverwaltung, Ereignisprotokoll, etc)
Und effektive Windows-Nutzer haben sich bereits schon in Windows 7 angewöhnt, das gesuchte Programm nicht ernsthaft aus der Liste zu suchen oder auf den Desktop zu packen, sondern haben einfach ein paar Anfangsbuchstaben des Programms im Startmenü eingetippt und Enter gedrückt. Hat man diese Arbeitsweise sich mal angewöhnt, kann das neueste Windows durchaus mit seiner Schnelligkeit überzeugen und die leidigen Kacheln können nur für das nötigste verwendet werden.
Außerdem gibt es noch viele kleinere Features, die einem in bestimmten Sonderfällen das Leben erleichtern. So kann man direkt mit einem Rechtsklick auf einen Prozess im Internet recherchieren, was dieser Prozess eigentlich macht und wem er gehört. Mit dem integrierten Skydrive kann man von jedem internetfähigen Endgerät auf seine Office-Dokumente zugreifen und sogar bearbeiten. Es gibt noch viele weitere kleine Features zu entdecken, welche oft einem erst bei Bedarf wirklich auffallen.
Dafür müsste man jedoch über das alberne Kachel-Design hinwegblicken, den App-Store am besten unberührt lassen und eine Zeit lang mit Windows 8 arbeiten – dann erst merkt man auf einmal, dass das System doch hier und da einem unter die Arme greift und Spaß machen kann! Ich für meinen Teil werde es auf jedenfall noch weiter benutzen und bin gespannt, was noch für kleine Gimmicks auftauchen (ernsthaft entwickelt wird trotzdem weiterhin unter Linux!).
Anm: Ich nutze Windows 8 auf einem normalen Notebook ohne Touch-Display mit der Maus und wollte herausfinden, ob neben den ganzen Gesten und übergroßen Symbolen man trotzdem noch effektiv mit Maus und Tastatur arbeiten kann.